11.09.2026, Departement Bau und Umwelt • Der Bund unterstützt den Kanton Glarus bei der Entwicklung von zukunftsfähigen Nutzungen für die Glarner Gadenlandschaften. Im Rahmen eines nationalen Modellvorhabens sollen gemeinsam mit Eigentümerinnen und Eigentümern, Gemeinden und weiteren Akteuren neue Perspektiven für heute teilweise ungenutzte Gäden entwickelt und in konkreten Testgebieten erprobt werden. Nun ist auch die Bevölkerung eingeladen, ihre Ideen einzubringen.
Ein «Gadä» ist im Glarner Dialekt die Bezeichnung für ein ländliches Nebengebäude, also ein Stall oder eine Scheune. Gäden prägen das Landschaftsbild im Glarnerland seit Jahrhunderten. Doch der Substanzverlust schreitet voran. Das soll sich mit einem Projekt ändern, bei dem sich der Bund im Rahmen der Modellvorhaben «Nachhaltige Raumentwicklung 2025–2030» beteiligt. Das Ziel besteht darin, Gadenlandschaften durch tragfähige, neue Nutzungen zu bewahren – für einen sanften Tourismus, für die Landwirtschaft und für die Region.
Seit Jahrhunderten prägen Gäden das Landschaftsbild des Glarnerlands. Aufgrund der Veränderungen in der Landwirtschaft werden heute jedoch zahlreiche dieser Gebäude nicht mehr für ihren ursprünglichen Zweck benötigt. Viele stehen leer und bei fehlender Nutzung und Unterhalt besteht die Gefahr, dass die historische Bausubstanz langfristig verlorengeht.
Mit dem revidierten Raumplanungsgesetz RPG 2 verändern sich gleichzeitig die Rahmenbedingungen für Bauten ausserhalb der Bauzone. Damit gewinnt die Frage zusätzlich an Bedeutung, welche Zukunftsperspektiven für nicht mehr landwirtschaftlich benötigte Gebäude bestehen. Das Modellvorhaben setzt hier an: Anstatt einzelne Gäden isoliert zu betrachten, sollen die Gadenlandschaften als Ganzes untersucht und Möglichkeiten für ihren langfristigen Erhalt entwickelt werden. Gesucht sind Lösungen, die mit den raumplanerischen und weiteren gesetzlichen Rahmenbedingungen vereinbar sind und gleichzeitig einen Mehrwert für die Region schaffen.
Das Projekt wird von einem interdisziplinären Fachteam bearbeitet. Begleitet wird es von verschiedenen Stellen des Bundes und des Kantons, den drei Glarner Gemeinden sowie weiteren Organisationen und lokalen Akteuren. In einem ersten Schritt wird eine Wissensbasis zu den Gadenlandschaften aufgebaut. Mittels Geoinformationen und Begehungen werden Bestand und räumliche Zusammenhänge untersucht und geeignete Gebiete für die weitere Bearbeitung ausgewählt.
Anschliessend werden in drei Praxislaboren, den sogenannten «Living Labs», konkrete Nutzungsideen erprobt. Gemeinsam mit Eigentümerinnen und Eigentümern, möglichen Nutzerinnen und Nutzern sowie lokalen Akteuren soll untersucht werden, welche Bedürfnisse bestehen und welche Nutzungen sich in der Praxis eignen.
Parallel dazu sollen tragfähige Organisations- und Betriebsmodelle entwickelt werden. Ziel ist es, Lösungen zu finden, die nicht nur während des Modellvorhabens funktionieren, sondern auch langfristig weitergeführt werden können.
Ein wichtiger Bestandteil des Modellvorhabens ist die Mitwirkung der Bevölkerung. Das Wissen der Einheimischen, die Bereitschaft der Eigentümerinnen und Eigentümer sowie Ideen von Vereinen, Unternehmen und weiteren Interessierten sollen direkt in das Projekt einfliessen. Die Bevölkerung ist bis zum 20. Oktober 2026 eingeladen, Ideen für mögliche Nutzungen von Gäden einzureichen oder sich als mögliche spätere Umsetzerinnen und Umsetzer einzubringen.
Hinweis der Redaktion: Die Bildrechte liegen beim jeweiligen Herausgeber.
Bronzezeitliche (13.-9. Jh. v. Chr.) Funde sind erste Belege menschlicher Anwesenheit im Glarnerland. Für die keltische Besiedlung (3. Jh. v. Chr.) sprechen Bodenfunde und Ortsbezeichnungen. So leitet sich der Name des Talflusses «Linth» vom keltischen «linta» ab, was die Geschmeidige oder Schlange, Drache bedeutet.
Reste römischer Bauten finden sich am Walensee und auf Kerenzen. Zu Beginn unserer Zeitrechnung gehört das Glarnerland zur Provinz Rätien.
Die erste Talkirche wird im 6. Jahrhundert in Glarus gebaut. Um 700 wandern die Alemannen ein, deren Sprache sich aber erst im 11. Jahrhundert allgemein durchsetzt. Zu dieser Zeit untersteht das Glarnerland dem Kloster Säckingen.
Im 13. Jahrhundert kommt es unter habsburgische Vormacht, die die Glarner abzuschütteln versuchen. Sie verfügten nämlich über eine gewisse Eigenständigkeit, urkundet doch 1282 «die Gemeinschaft der Männer des ganzen Tales Glarus». 1351 lassen sie sich von Zürchern und Innerschweizern erobern. Nachdem sie 1352 einen ersten Rückeroberungsversuch Habsburgs zurückgeschlagen haben, schliessen sie den Bund mit den Eidgenossen und errichten unterhalb Näfels eine Letzimauer, von der Überreste heute noch festzustellen sind. Nach der Schlacht bei Sempach erobern sie das Städtchen Weesen, das durch eine verräterische Mordnacht im Februar 1388 wieder verloren geht.
An der ersten ausführlich dokumentierten Landsgemeinde geben sie sich 1387 eigene Satzungen und legen damit den Grundstein zur heutigen demokratischen Verfassung.
Am 9. April 1388 schlagen sie in der Schlacht bei Näfels ein mehrfach überlegenes habsburgisches Heer und befreien sich mit diesem Sieg von der habsburgischen Herrschaft. - Seither erinnert die am ersten Donnerstag im April begangene Näfelser Fahrt an dieses Ereignis.
1395 kaufen sie sich von Säckingen los, zahlen dem Frauenkloster aber noch bis zum Umsturz Ende des 18. Jahrhunderts einen «ewigen» Jahreszins.
Schon vor 1530 ist die Mehrheit der Glarner und Glarnerinnen reformiert. Zwingli hatte während zehn Jahren in Glarus als Pfarrer gewirkt und seine Reformationsschrift 1523 «Ammann, Rat und Gmeind des Lands Glaris» gewidmet. Nur Näfels und Oberurnen bleiben beim alten Glauben und einige wenige andere Gemeinden werden paritätisch. Erste Grundsätze von Religionsfreiheit vermögen jedoch die Spannungen zwischen den Konfessionen nicht zu verhindern. Immerhin überdauert das Simultanverhältnis an der Kirche von Glarus: bis zur Weihe der katholischen St. Fridolins Kirche 1964 nutzen beide Konfessionen die gleiche Kirche; daran vermag selbst der verheerende Brand von Glarus (1861) nichts zu ändern. Die Staatsgewalt jedoch teilt sich. Es gibt drei Landsgemeinden: je eine der Angehörigen der beiden Glaubensgruppen und die gemeinsame. Auch die Gerichte, das Militär- und Postwesen und der Salzhandel trennen sich. Es gelten gar, weil die Reformierten den Gregorianischen Kalender ablehnen, während eines Jahrhunderts zwei Kalender. 1836 hebt die neue Kantonsverfassung diese konfessionelle Landesteilung auf.
1799 wird das Glarnerland zum Kriegsschauplatz fremder Heere. Die Franzosen zwingen die über den Pragelpass und das Klöntal vorgestossenen Russen unter General Suworow zum verlustreichen Rückzug über den verschneiten Panixerpass. - Aus dem ausgehungerten Land ziehen 1200 Kinder in andere Kantone, wo sie Ernährung und Hilfe finden müssen.
Seit alters her an das Mitbestimmen an der Landsgemeinde gewohnt, prägt die Glarner Arbeiterschaft zusammen mit sozial gesinnten Ärzten und Pfarrern die Sozialgesetzgebung im 19. und 20. Jahrhundert. So wird z. B. 1856 die Fabrikarbeit für unter 12-jährige verboten und 1864 das erste demokratisch durchgesetzte Fabrikgesetz erlassen. Es reduziert die tägliche Arbeitszeit auf zwölf Stunden (1872 auf elf Stunden), verbietet Nacht- und Kinderarbeit, schreibt Arbeitssicherheits- und Hygienemassnahmen vor und bringt einen bescheidenen Wöchnerinnenschutz.
1916 stimmt die Landsgemeinde der Schaffung einer kantonalen Alters- und Invalidenversicherung zu. Diese erste obligatorische Sozialversicherung findet mit der AHV erst 1948 eine Entsprechung auf Bundesebene. Ebenfalls ist es die Glarner Landsgemeinde, die 1925, als erstes seiner Art, das Gesetz über die Arbeitslosenversicherung erlässt. Der Fabrikarbeiterverein Schwanden gründet 1864 den ersten Konsumverein der Schweiz.
Zwischen dem Walensee und dem Zürichsee geht es hinein in das tief eingeschnittene Tal des Glarnerlands. Bis zu 1.750 Metern wachsen die Berge hier aus dem Boden. Mit 3.614 Metern ist der Tödi der höchste Berg der Ostschweiz. Das Glarnerland, als Kanton einer der ältesten Kantone der Schweiz, ist eine Ferienregion der Vielfalt. Erstklassige Angebote für Familien gehen einher mit hochalpinen Wander- und Tourenmöglichkeiten, Skispass in zwei attraktiven Wintersportgebieten und jeder Menge Kultur.
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